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 | Dr. Andreas R. J. Schnee-Gronauer

Konsequenz und „Ka Ferz“

Bild Konsequenz
Mehr Einfachheit durch mehr Konsequenz.

„Where You go in life is up to You“ behauptete eine amerikanische Fluggesellschaft vor etwa 10 Jahren in einem Werbefilm – um dann fortzufahren „United takes You there“.

Ich mag diese Werbung. Nicht nur, weil George Gershwins „Rhapsody in Blue“ Hintergrundmusik ist, sondern wegen der Idee, man müsse bloß die richtigen Entscheidungen treffen und schon könne man alle Ziele erreichen.

Aber leider ist die Sache nicht ganz so einfach, schon aus dem Grund, weil wir nur zu leicht aus den Augen verlieren, was wirklich wichtig ist und wo wir hinwollen - und schon Seneca wusste „Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“

Das fängt schon im Kleinen an. Als wir neulich eine Einbauküche kaufen waren, mussten wir uns gemeinsam mit dem Verkäufer, a/k/a Küchen-Fachberater, durch die verschiedenen Menüpunkte seiner Planungssoftware arbeiten. Nach ein paar Stunden hatten wir aus mehreren Tausend Möglichkeiten das Design von Schränken, Fronten, Arbeitsplatte und Griffen ausgesucht und ließen wir uns matt in die Sitze plumpsen.

Aber wir hatten uns zu früh gefreut. „Soll die neue Küche denn einen ‚integrierten Handtuchhalter‘ bekommen?“ fuhr er fort. „Oder eine ‚Universelle Steighilfe‘? Vielleicht einen ‚Auszug Seitenorganisation doppelt‘? Keinen ‚Besteckeinsatz Buche mit Gewürzmühlenhalter und Gewürzen + Messerblock‘?“ fragte er tadelnd „den nehmen aber viele Kunden.“

Immens praktisch sei auch der „Einbau-Toaster“ und die „Einbau-Waage“ – beide für Schubkästen. Und da wir schon dabei sind: Es gibt auch einen „Elektrischen Einbau-Allesschneider für Unterschränke mit Ausschwenkmechanismus“. Und auf den „Folienhalter in Wenge Optik“ will nicht verzichten, wer jemals Frischhaltefolie davon abgewickelt hat. Dazu passen jedenfalls ganz hervorragend der praktische „Putzmittelauszug“, „versenkbare Steckdose mit USB-Charger“ und die „RGB-Schrankinnenbeleuchtung für Wandschränke“. Und da waren wir noch gar nicht bei den Elektrogeräten, die mittlerweile mehr Schalter haben als ein Flugzeug-Cockpit.

Glauben Sie mir, als der Verkäufer von uns abließ, waren wir reif für die Couch. Was auch kein Wunder ist, denn Entscheiden ist Arbeit und dafür braucht unser Gehirn ungeheuer viel Energie.

Diverse Untersuchungen haben gezeigt, dass sich unser „Entscheidungsakku“ mit der Zeit entlädt und dabei eine Entscheidungsermüdung eintritt. Julia Katharina Stefanides hat in ihrer Dissertation zum „individuellen Verhalten in Entscheidungssequenzen“ diverse Studien analysiert und herausgearbeitet, dass Personen im Rahmen von Konfigurationsprozessen geneigt sind, den Empfehlungen und Vorgaben der Hersteller und Händler zu folgen. Umso eher, wenn die großen Entscheidungen schon getroffen sind und es nur noch um die weniger wichtigen Dinge geht. Jede Wette: Die Typen, die die Software programmiert haben, mit der wir unsere Küche ausgesucht haben, wussten das auch.

Beim heimischen Herd ist es übrigens nicht so, dass wir über einen besonders intensiv genutzten „Heimarbeitsplatz“ sprechen: nach der letzten Zeitstatistik des Statistischen Bundesamtes lag die von den Feierabend-Köchinnen oder Köchen für die Zubereitung von Essen täglich aufgewandte Zeit bei gerade mal 48 Minuten! (davon verbringen die meiste Zeit mit Kochen übrigens Ruheständlerinnen über 60, deren Partner ebenfalls in Rente ist und deren Kinder aus dem Haus sind – welche Schlüsse Sie daraus ziehen wollen, überlasse ich Ihnen).

Das wirklich faszinierende ist aber, dass eine Einbauküche zwar unter dem Strich aus wenig mehr als ein paar zusammengeschraubten Kisten besteht, die Hersteller es aber trotzdem schaffen, dass wir dafür den Gegenwert eines Kleinwagens auf den Tisch legen. Für eine Küche gaben Verbraucher im Jahr 2012 – trotz permanentem 50%-Rabatt - durchschnittlich rund 7.100 € aus, der Umsatz der Branche lag in Deutschland bei 5,95 Milliarden €.

Was uns zurück zur eigentlichen Frage bringt: Was ist wirklich wichtig? Was brauchen Sie? Und was ist nur überflüssiger Schnickschnack?

Der große Industriedesigner Dieter Rams, der zeitlos schlichte Entwürfe für Braun und andere Unternehmen geschaffen hat, sagte vor ein paar Jahren in einem Interview „was mich heute besonders stört, ist die Beliebigkeit und die auch damit verbundene Gedankenlosigkeit, mit der vieles produziert und vermarktet wird. Nicht nur auf dem Gebrauchsgütersektor, sondern in der Architektur, in der Werbung überall haben wir zu viel Überflüssiges.“

„Gutes Design“ fährt er fort „ist so wenig Design wie möglich - weniger Design ist mehr, konzentriert es sich doch auf das Wesentliche, statt die Produkte mit Überflüssigem zu befrachten.“

Aber wer entscheidet, was gut oder schlecht ist? Ich glaube, letztlich geht es um Konsequenz oder, um ein altmodisches Wort zu gebrauchen, um Disziplin: Disziplin dabei, sich angesichts eines Überangebots an Funktionen und Möglichkeiten immer wieder die Frage zu stellen, was wirklich nötig ist – ausgehend von den eigenen Bedürfnissen und nicht davon, was Produktmanager, Programmierer und Marketingleute in die Produkte gepackt haben. Also darum, sich nicht von dem was es gibt treiben zu lassen.

Als ich ein Kind war, haben wir häufig die Patentanten meines Großvaters besucht. Sie lebten in zwei herausgeputzten winzigen Fachwerkhäusern, die nur Platz hatten für sehr kleine Wohnzimmer, ebenso kleine Schlafzimmer und winzige Küchen. Im Garten zogen sie Brombeeren, Rhabarber und Gemüse und auf den Dachboden lagerten Äpfel.

Man spürte bei jedem einzelnen Gegenstand der es in ihre Häuser geschafft hatte, dass er mit Hingabe ausgesucht und oftmals schon seit Jahrzehnten in Gebrauch war. Es gab nichts, was überflüssig gewesen wäre und nichts was gefehlt hätte.

Wenn die beiden etwas überflüssig oder falsch fanden, schnaubten sie halb belustigt, halb verächtlich „Ferz!“, was einem Online-Lexikon des Hessischen zufolge gleichzeitig „nein, das stimmt so nicht“ bedeutet und andererseits „etwas unnötiges (wofür man erst recht kein Geld ausgibt)“.

„Ka (keine) Ferz!“ ist oft der richtige Maßstab bei Entscheidungen. Wenn ich das im Küchenstudio beherzigt hätte, hätten wir nun kein Monstrum zuhause stehen, bei dem man durch rhythmisches Klatschen hydraulische Klappen öffnen und mit der Smartphone-App von unterwegs den Backofen einschalten und die Bratentemperatur messen kann.

Dr. Andreas R. J. Schnee-Gronauer
Rechtsanwalt & Diplom-Ökonom tryffel // SCHNEE-GRONAUER Rechtsberatung für Unternehmer

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